BAUHAUS DESSAU
KONZEPT
Die neue Identität der Stiftung Bauhaus Dessau soll mehr den Ideen und Methoden als den überlieferten grafischen Formen des Bauhauses verbunden sein. Gesucht wird eine funktionale, effiziente und gleichzeitig radikale Lösung, die den produktionstechnischen Gegebenheiten der Zeit entspricht und das Bauhaus auf dieser Grundlage neu interpretiert.

Mit dem Entwurf soll eine klare Trennung vom historischen Formenkanon des Bauhauses vollzogen werden, um 1.) eine Historisierung und Ironisierung zu vermeiden und  2.) den eigentlichen Charakter der Institution zu kommunizieren – das Bauhaus Dessau ist nicht mehr Teil einer Avantgarde-Bewegung, sondern eine Stiftung des öffentlichen Rechts, die museale sowie akademische Aufgaben wahrnimmt und sich aktuellen gesellschaftlichen Fragestellungen widmet.

Darum empfiehlt sich auf der Kernebene ein möglichst generisches Erscheinungsbild, das sich nicht in Konkurrenz zum historischen Bauhaus begibt und davon visuell unterscheidbar bleibt. Dabei muß es den Anforderungen aller Medien und Formate entsprechen und sich auf der nächsten Stufe für die Bearbeitung und Interpretation durch verschiedene Gestalter öffnen.


weiter unten gibt es den kompletten Text
When we began working on the new identity of the Bauhaus Dessau Foundation we decided to search for a solution that would relate more to the original ideas of Germany's most influential Modernist school instead of relying on the visual clichés connected to Bauhaus - it seems almost impossible to use circle, square and triangle nowadays without it coming across as ironic or historicist. Apart from stationery, brochures, posters, tickets, website etc. the new identity also included the redesign of the signage of Gropius' famous Bauhaus building. This factor making it even more important that a clear distinction could be made by visitors what was apart of the original structure and what new additions we had made.

We thought a generic design would work best in order to make this distinction. The new identity was created by using strict typography, a minimalist layout, standardised formats and no colour. Being the most generic and incidental typeface, Courier was selected as the new corporate font. To guarantee a unique identity we changed the capital "A" of Courier according to Herbert Bayer's well-known logo on the front of the Bauhaus Dessau building. Additionally, the new Bauhaus Dessau logotype is always set vertically. The entire typographic system consists exclusively of common system fonts, an approach connected to the original Bauhaus ideology that demanded functionality and designs based on the potential of mass-production.
DESSAUER COURIER 1
DESSAUER COURIER 2
ARIAL BLACK
GESTALTUNGSRASTER
VARIATIONEN DER WORTMARKE
Unterschiedliche positionierungsmöglichkeiten der Wortmarke sowie die Wortmarken des Bauhaus Kolleg und der Edition Bauhaus
Possible positions/placements for the Bauhaus Dessau Foundation Workmark in accordance to our concept. Also present the wordmark for Bauhaus Kolleg and Edition Bauhaus.
BRIEFSCHAFT
BRIEFPAPIER ZOOM
CD-LABEL UND -TASCHE
FLYER 1 (ENTWURF)
FLYER 2 (ENTWURF)
FLYER 3 (ENTWURF)
FLYER 4 (ENTWURF)
FLYER 5 (ENTWURF)
PROGRAMMHEFT (ENTWURF)
FALTBLATT
PRESSEMAPPE
EINTRITTSKARTE
POSTER 1 (ENTWURF)
POSTER 2 (ENTWURF)
BAUHAUS MAGAZIN (ENTWURF)
Unrealisierter Entwurf. Crashhaus von BEN WISE, Acid Haus Illustration von YES STUDIO.
Unrealised concept design for the Bauhaus Magazine. Crashhaus Illustration by BEN WISE, Acid Haus Illustration by YES STUDIO.
IDEE
Ein durchgängiges, neutrales Erscheinungsbild wird nicht in erster Linie durch ein typisches »Branding« mit einer plakativen Wort- oder Bildmarke erzeugt, sondern die einheitliche Lesetypografie (Mengentext), den Umgang mit Weißraum und die Platzierung von Text und Bild (Layout). Die Identität entsteht also vor allem auf struktureller Ebene.
Mit minimalem Aufwand soll ein prägnantes Erscheinungsbild entstehen, d.h. mögliche Schriftschnitte, Schriftgrößen und Papierformate werden auf das absolut Notwendige reduziert. Das Layout steht auf einem definierten Grundraster, an dem sich Text und Bild ausrichten lassen. Das Korsett von wenigen Optionen und einfachen Regeln ermöglicht ein effektives, konzentriertes Gestalten aller Medien der Kernebene.
UMSETZUNG
Die Schriftmischung

1.) Die neue Identität wird wesentlich bestimmt durch die Wahl der Hausschrift. Als Ausgangspunkt dient die Courier, die sich aufgrund ihrer Geschichte als die generische, anonyme Schrift schlechthin besonders eignet: Mitte der 50er entwickelt als Schreibmaschinenschrift für IBM, erfährt die Courier enorme Verbreitung, da sich der Konzern keine Exklusivrechte sichert und die Courier so zu einer der gängigsten Schriften innerhalb der gesamten Schreibmaschinen-Industrie wurde. Seit Mitte der 80er wird die Courier als Systemschrift mit Mac OS ausgeliefert, ab Anfang der 90er mit dem Betriebssystem Windows (als Courier New). Sie ist damit auf nahezu jedem Rechner vorhanden und gehört deshalb zu den sogenannten core fonts, den Standardschriften zum Gebrauch im Internet. Sie dient außerdem in vielen Textverarbeitungsprogrammen als Ersatz für fehlende Schriften. Die Courier ist eine absichtslose Schrift und steht im Allgemeinen für »Nicht-Gestaltung«.
Nachdem die Courier für die Schreibmaschine entworfen wurde, handelt es sich um eine nichtproportionale Schrift, d.h. jeder Buchstabe nimmt die gleiche Breite ein, wodurch sich ein mechanisches, rasterhaftes Schriftbild ergibt. Somit entfällt bei der Gestaltung die Notwendigkeit, den Satz zu überarbeiten und Buchstabenabstände individuell anzupassen. Trotzdem verfügt die Courier über einen ausgewogenen Charakter und ist dem Auge des Lesers vertraut aufgrund ihrer Allgegenwärtigkeit seit Mitte des 20. Jahrhunderts. In dieser Hinsicht ist sie wohl nur mit der Helvetica zu vergleichen, die jedoch mehr mit modernistischer Schweizer Typografie und dem Unfehlbarkeitsanspruch anonymer Großkonzerne identifiziert wird. 

2.) Ergänzende Schriften: Für alle Medien, die eine gewisse Fernwirkung verlangen (Plakate, Leitsystem, Flyer, etc.) wird Arial Black als Headline-Schrift eingeführt. Ebenso wie die Courier handelt es sich um eine Systemschrift, die auf allen handelsüblichen Rechner installiert ist, wodurch die generische, »nicht-gestaltete« Anmutung des Entwurfs erhalten bleibt. Der extrem fette Schnitt der Arial Black eignet sich besonders aufgrund seines plakativen Charakters. Außerdem kommt für die Sonderfälle Magazin und Leitsystem ein weiterer Schnitt der Arial zur Anwendung, Arial Narrow. Die Engschrift eignet sich im Magazin für den textlastigen Wissenschaftsteil aufgrund der besseren Lesbarkeit über lange Strecken hinweg und dient zusätzlich der Abgrenzung von den übrigen Inhalten. Im Leitsystem übernimmt die Arial Narrow die Funktion der Grundschrift, da sich bei der Courier ab einer gewissen Größe die individuelle Buchstabenform zu sehr aufdrängt und die gewünschte Neutralität verloren geht.
BEZUG ZUM BAUHAUS DESSAU
Eine visuelle Verbindung zum Bauhaus wird nun auf mehreren Ebenen des Entwurfs hergestellt:

1.) Auf mikrotypografischer Ebene: der Schriftzug »Bauhaus Dessau« als Wortmarke nimmt direkt Bezug auf die typografische Fassadengestaltung des Gebäudes und wird stets vertikal gesetzt. Die ungewöhnliche Ausformung des Buchstaben »A«, der nicht in einem spitzen Winkel zuläuft sondern einen Bogen bildet, wird ebenfalls in die Hausschrift übernommen – aus der Courier wird die Dessauer Courier. Die Einführung dieser A-Sonderform, die in der Tradition der experimentellen Bauhaus-Typografie steht, erzeugt zudem eine durchgängige, aber subtile Markierung der Mengentexte aller Publikationen.

2.) Auf makrotypografischer Ebene: der Schriftzug »Bauhaus Dessau« wird auf allen Formaten in eine der vier Ecken gesetzt, was wiederum auf die Platzierung der Schrift an der Fassade zurückgeht. Ausgehend von diesem Motiv leitet sich das übergreifende Layout ab und jedes Medium wird von den Ecken her gestaltet (Anordnung von Headlines, Bildern, etc.).

3.) Auf der Farb- und Material-Ebene: das Papier, auf dem Briefschaft sowie alle übrigen Drucksachen (Broschüren, Flyer, Magazin etc.) gedruckt werden, greift in abgeschwächter Form den gelblichen Ton auf, der zuvor für die Ausstattung verwendet wurde. Mögliche Formate sind die DIN-Standardgrößen, die Typografie kommt mit einer einzigen Druckfarbe aus: Schwarz.

4.) Auf der Ebene des Bildinhalts: Schließlich wird durch die Integration der Bauhaus-typischen Bilder und Formen ein Bezug hergestellt. Die einfache, strenge Gestaltung bildet einen soliden Hintergrund und trennt sich eindeutig von den historischen Formen, ohne den Bezug zum Bauhaus aufzugeben.